Online Marketing

Wie wir durch Fake-Testberichte im Internet betrogen werden

Wer online nach einem Testbericht zu einem Produkt oder einer Dienstleistung sucht, der landet meist auf einem von zahlreichen Vergleichsportalen, einem Testportal, einem Blog oder einer Nischenseite. Auf diesen wird dann auch mit objektiven und unabhängigen und überaus ausführlichen Testberichten geworben. Doch wie echt sind diese Testberichte wirklich?

Selbstverständlich geht man zunächst einmal davon aus, dass es sich um authentische und vor allem objektive Testberichte handelt. Denn alleine der logische Menschenverstand besagt, dass der Betreiber der entsprechenden Webseite das getestete Produkt oder die Dienstleistung ausführlich geprüft haben muss, um entsprechende Erfahrungsberichte verfassen zu können, die ein solcher Test nun einmal voraussetzt.

Große Zahl von Fake-Testberichten

Umso erschreckender ist die Erkenntnis, dass in einem sehr großen Teil der Fälle überhaupt kein ausführlicher und somit richtiger Test durchgeführt wurde. Derartige Testberichte sind zumeist lediglich Texte, in denen das entsprechende Produkt oder die Dienstleistung verkaufsfördernd regelrecht in den Himmel gelobt wird. Dabei soll der Nutzer zu einem Kauf der Ware oder zu einer Beauftragung der Dienstleistung animiert werden. Das sind eben die Schattenseiten des Affiliate-Marketings. Ich prangere dies schon lange an, was mich einst auch dazu bewogen hat ein seriöses Vergleichsportal ins Leben zu rufen (www.trialo.de). Nun ist die Thematik mit den Fake-Testberichten endlich auch etwas durch die Medien gegangen, vgl. zum Beispiel der Artikel der Welt (Inhalt ist kostenpflichtig) oder der Artikel von OnlineMarketingRockstars.

Betrug mit Fake-Seiten in der Affiliate-Szene

Als Testbericht deklarierte Verkaufsseiten sind nicht nur für den Ruf der Affiliate-Szene schlecht, sie verunsichern auch den Verbraucher, der nicht die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen möchte. Jeder möchte naturgemäß das bestmögliche Ergebnis für sein Geld erhalten, weshalb objektive und vor allen Dingen ehrliche Testberichte im Internet grundlegend wichtig sind.

Selbstverständlich ist es aus wirtschaftlichen Gründen überaus nachvollziehbar, dass eine Webseite für den Webseitenbetreiber wirtschaftlich rentabel sein muss, da sie anderenfalls nicht lange existieren könnte. Diese Grundlage darf jedoch nicht dazu führen, dass gewisse Produkte oder Dienstleistungen, die für den Webseitenbetreiber wirtschaftlich überaus rentabel sind (da sie hohe Provisionen für den Verkauf einbringen) bevorzugt präsentiert oder als Nonplusultra beworben werden. So haben Konkurrenzprodukte nämlich von Anfang an keine Chance auf einen fairen Wettbewerb. Ein derartiges Verhalten führt letztlich dazu, dass das Vertrauen der Verbraucher langfristig abnimmt und Werbelinks kaum noch angeklickt werden (wie es in Deutschland ja sowieso schon extrem der Fall ist).

Echte Testfaktoren für Test- und Erfahrungsberichte

Die Kriterien, die einen ausführlichen Test ausmachen, müssen zunächst einmal unterschieden werden in Testberichte für Produkte und Erfahrungsberichte für Dienstleistungen. Selbstverständlich gibt es bei beiden Tests eine grundlegende Gemeinsamkeit in Form der Qualität und dem Preis-/Leistungsverhältnis, doch werden für ein Produkt letztlich Kriterien festgemacht, die bei einer Dienstleistung schlichtweg kaum messbar sind.

Während das Produkt vor allem in Bezug auf Langlebigkeit und Verarbeitung getestet werden kann, so zählen bei Dienstleistungen in erster Linie die Zuverlässigkeit des Anbieters sowie die Gründlichkeit der Ausführung. Natürlich mangelt es im Internet zu beiden Formen nicht an Erfahrungs- und Testberichten, doch steht weiterhin die Frage der Authentizität im Raum. Angesichts der Erkenntnis, dass jeder Anbieter für sein Produkt bzw. seine Dienstleistung diese Test- und Erfahrungsberichte günstig kaufen kann, stellt sich für den Internetnutzer fast zwangsläufig die Schwierigkeit, den authentischen Test- bzw. Erfahrungsbericht von einem Fake-Testbericht oder Fake-Erfahrungsbericht zu unterscheiden.

Testberichte auf Verkaufsportalen

Natürlich kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, dass automatisch jeder Test- bzw. Erfahrungsbericht im Internet falsch ist. Ein sehr gutes Beispiel hierfür bildet die Verkaufsplattform Amazon, die jüngst auf die Vorfälle gefälschter Test- und Erfahrungsberichte mit einer guten Maßnahme reagiert hat (vgl. dieser Bericht). Zusätzlich hat Amazon schon länger eine Funktion auf seiner Webseite eingebaut, anhand derer man die echten Erfahrungsberichte von den unechten besser unterscheiden kann – in Form der Kaufbestätigung. Da jeder Mensch, der bei der Verkaufsplattform über ein entsprechendes Konto verfügt, einen Erfahrungs- bzw. Testbericht zu jeder Ware der Plattform schreiben kann, gibt es bei dem Händler einen Zusatz über der Bewertung in Form des Satzes: „Von Amazon bestätigter Kauf!“. Anhand dieses Satzes kann der Internetnutzer sehr leicht feststellen, dass die Person den Artikel über den Händler erworben und somit in ihrem Besitz hat. Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, obgleich damit noch lange kein objektiver Test- bzw. Erfahrungsbericht nachgewiesen werden kann. Ein tolles Tool, dass einem unverfälschte Kundenbewertungen bei Amazon anzeigt und Fake-Bewertungen heraus rechnet ist übrigens ReviewMeta (die Verwendung ist kostenfrei).

Fake-Seiten und Fake-Testberichte erkennen

Wer als Internetnutzer seinem Bauchgefühl bei einem Testbericht nicht vollständig vertraut, der sollte einmal einen kritischen Blick auf den Test- bzw. Erfahrungsbericht als solchen werfen und diesen überprüfen. Zuerst kann man sich überlegen, ob es überhaupt möglich ist, dass das Produkt getestet wurde. Wenn es sich um einen Waschmaschinen Vergleichstest handelt, bei dem 10 Maschinen getestet wurden, dann steckt dahinter schon sehr viel Aufwand. Wenn man sich auf einer kleinen Nischenseite befindet, dann werden die Waschmaschinen vermutlich nicht wirklich durch den Webseitenbetreiber getestet worden sein. Vielmehr wird er sich auf andere Testberichte oder auf Kundenstimmen verlassen. Dies muss dann aber auch genau so kommuniziert werden und es darf nicht von einem eigenen Testbericht die Rede sein.

Wird das Produkt bzw. die Dienstleistung dazu besonders deutlich quasi als bestes Produkt bzw. beste Dienstleistung der Welt dargestellt, so sollte man schon genauer hinsehen. Ein paar gute Anhaltspunkte bieten die folgenden Ansätze, mit denen man den Test- bzw. Erfahrungsbericht hinterfragen kann:

  • Gibt die Webseite Aufschluss über die angesetzten Testkriterien bzw. sind diese Kriterien transparent nachvollziehbar?
  • Ist die Webseite lediglich auf den reinen Verkauf ausgelegt oder vermittelt sie das Gefühl der Objektivität?
  • Wer ist der Betreiber der Webseite? Handelt es sich bei dem Betreiber um ein namhaftes und seriöses Unternehmen?
  • Ist der Betreiber der Webseite eine vertrauenswürdige Einzelperson?
  • Erlebt das Produkt oder die Dienstleistung derzeitig einen Hype und gilt als besonders provisionsinteressant?

Aufruf an Webseitenbetreiber: Es muss nicht immer die höchste Provision sein

Der Großteil der Szene ist nur an profitablen Keywords, perfekten Meta-Angaben und einer hohen Conversion-Rate interessiert. Dies kann im schlimmsten Fall langfristig jedoch dazu führen, dass das Vertrauen vom Verbraucher in Online-Testberichte komplett wegfällt.

Wenn du ein digitales Business betreibst, dann tu zu deinen Webseitenbesuchern und vor allem dir selbst einen Gefallen: Wenn du einen Testbericht veröffentlichst, dann auch nur von einem Produkt oder einer Dienstleistung, die du wirklich getestet hast. Und wenn du eine Nischenseite für große Elektrogeräte betreibst und du die Geräte nicht selbst getestet hast, dann schreib dies ganz offen und sofort erkenntlich auf die Webseite. Schreibe, dass sich um keinen Test handelt, sondern lediglich um eine Übersicht. Ich bin mir sicher, dass es bald noch viele weitere Abmahnungen geben wird, was ich sehr gut finde. Die Irreführung der Verbraucher muss endlich ein Ende haben.

Bildquelle: Titelbild: Jakub Jirsak © 123RF.com

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